Zum Inhalt springen
Medizinische Versorgung und Pflege – Symbolbild
Pflegegrade bei Krankheiten – Häufige Erkrankungen~6 Min. Lesezeit

Medizinischer Ratgeber: Infektionskrankheiten

Grundlagen · Pathologie · Prävention in der Pflege

Jetzt kostenlose Pflegehilfsmittel beantragen

Definition und Ätiologie

In der medizinischen Fachterminologie werden Infektionskrankheiten als Erkrankungen definiert, die durch das Eindringen, Anhaften und die anschließende Vermehrung von pathogenen Mikroorganismen oder deren Toxinen im Wirtsorganismus ausgelöst werden. Eine Infektion manifestiert sich klinisch, sobald das Immunsystem eine spezifische Abwehrreaktion zeigt.

Diese Krankheitsbilder werden als übertragbare Krankheiten klassifiziert. Die Symptomatik kann lokal begrenzt oder systemisch auftreten. Entscheidend ist die erfolgreiche Transmission der Erreger auf den menschlichen Körper.

Hinweis zur Kontagiosität

Als ansteckend gelten Infektionen, wenn eine Übertragung durch direkten Kontakt mit dem Erkrankten, dessen Ausscheidungen oder über kontaminierte Gegenstände möglich ist.

Pathogene Mikroorganismen

Die Schwere des Krankheitsverlaufs wird maßgeblich durch die Art des Erregers bestimmt. Man unterscheidet primär folgende Gruppen:

Bakterien und Viren

Häufigste Auslöser akuter Infektionen (z. B. Pneumonie, Influenza).

Protozoen (Urtierchen)

Einzellige Organismen mit Zellkern; Auslöser von Malaria oder Toxoplasmose.

Fungi (Pilze)

Mykosen befallen primär Haut- und Schleimhäute, bei Immunschwäche auch Organe.

Übertragungsmechanismen

Die Transmission pathogener Keime erfolgt entweder direkt (Tröpfchen-, Kontaktinfektion) oder indirekt über lebende oder tote Vektoren (Nahrungsmittel, Wasser, kontaminierte Oberflächen, Staub oder Tiere).

Differenziert wird zudem zwischen endogenen Infektionen (Erreger der eigenen Flora) und exogenen Infektionen (Eintritt von außen).

Physiologische Eintrittspforten

Mund Nase Haut und Schleimhaut Urogenitaltrakt

Klinischer Verlauf in vier Phasen

1. Invasion

Transmission und Adhäsion der Erreger im Wirt.

2. Inkubation

Latenzzeit zwischen Ansteckung und Symptommanifestation. Dauer: Stunden bis Jahrzehnte (z. B. HIV).

3. Krankheit

Akute klinische Symptomatik (Fieber, Entzündungsparameter).

4. Überwindung

Elimination der Erreger. Risiko persistierender Keime (z. B. Herpes Zoster).

Epidemiologische Relevanz

Global stellen Infektionskrankheiten wie Malaria (ca. 228 Mio. Fälle pro Jahr), Tuberkulose (ca. 10 Mio.) und Mumps eine massive gesundheitliche Belastung dar. In Deutschland überwacht das Robert Koch-Institut (RKI) die Inzidenzen meldepflichtiger Erkrankungen wie COVID-19, Influenza, Borreliose oder Pertussis (Keuchhusten).

Weitere häufige Erkrankungen pflegebedürftiger Personen

Medizinische Übersicht und pflegerelevante Diagnosen

Neben den akuten Risiken durch Infektionskrankheiten wie COVID-19 oder Rotaviren sind pflegebedürftige Personen häufig von chronischen und degenerativen Krankheitsbildern betroffen. Diese Diagnosen erfordern eine spezialisierte Betreuung, da sie die körperliche Widerstandskraft beeinflussen und den Bedarf an täglicher Unterstützung sowie hygienischer Prävention erhöhen.

Entzündlich und Autoimmun

Arthritis, Schuppenflechte, Nesselsucht, Multiple Sklerose

Stoffwechsel und Degenerativ

Diabetes, Gicht, Osteoporose

Neurologisch

Parkinson

Vaskulär

Thrombose

Prävention und gesetzliche Grundlagen bei Infektionskrankheiten

Leitfaden für die stationäre und häusliche Pflege

Präventionsmanagement

Unabhängig von der Ätiologie stellt die konsequente Einhaltung von Hygienestandards den primären Schutz vor einer Transmission dar. Dazu zählen die korrekte Hust- und Niesetikette sowie eine regelmäßige, leitliniengerechte Händedesinfektion.

Bei infektiösen Krankheitsbildern im Umfeld ist eine umgehende Intervention erforderlich. Beispiel Skabies (Krätze): Textilien thermisch aufbereiten, Gemeinschaftsbereiche präventiv isolieren und Kontaktpersonen transparent informieren, um Infektionsketten zu unterbrechen.

Rechtliche Rahmenbedingungen (IfSG)

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) bildet die rechtliche Grundlage zur Prophylaxe, Früherkennung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten. Es definiert verbindliche Richtlinien für medizinische Einrichtungen und Unternehmen.

Rechtlicher Hinweis

Gemäß IfSG besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf staatliche Entschädigungsleistungen, sofern eine behördlich angeordnete Quarantäne zu einem Erwerbsausfall führt.

Meldepflichtige Krankheitsbilder (Auszug)

Das Gesetz sieht eine namentliche Meldepflicht für Verdacht, klinische Manifestation und Todesfälle im Zusammenhang mit spezifischen Pathogenen vor.

Atemwege / systemisch

COVID-19, Influenza, Masern, Mumps, Keuchhusten

Infektionskrankheiten

Diphtherie, Cholera, Typhus, Windpocken, Polio

Zoonosen / speziell

Milzbrand, Tollwut, Pest, Botulismus

Therapeutische Interventionen

Die medizinische Behandlung erfolgt erregerspezifisch und unter Berücksichtigung der Anamnese.

Antibiotika

Zur Behandlung bakterieller Infektionen.

Virostatika

Hemmung der viralen Replikation.

Antimykotika

Therapie bei Mykosen (Pilzbefall).

Infektionsprävention und Pflege – Infografik

Kostenfrei · Pflegegrad 1–5

Jetzt kostenlose Pflegehilfsmittel beantragen

Kostenfreie Pflegehilfsmittel im Wert von bis zu 42 € / Monat

Ein Anspruch auf Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel bedeutet mehr als nur Technik – er bedeutet spürbare Erleichterung und mehr Sicherheit für Betroffene und Angehörige.

Epidemiologische Einordnung und Globalisierung

Das Spektrum der Infektionskrankheiten unterliegt einer ständigen globalen Dynamik. Reiseverkehr und globaler Handel führen zunehmend zur Einschleppung exotischer Erkrankungen.

Reiserückkehrer können Erreger unbemerkt transmittieren. Klimatische Veränderungen begünstigen neue Vektoren in Europa, z. B. die asiatische Tigermücke als Überträger des Zika-Virus.

Klinische Klassifikation nach RKI-Standards

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die zentrale Instanz für Krankheitsüberwachung und Prävention in Deutschland. Relevante Infektionskrankheiten im klinischen und pflegerischen Alltag (Auszug):

Respiratorisch und systemisch

COVID-19, Influenza, Pneumonie, Tuberkulose, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten)

Dermatologisch und vektorbasiert

Skabies, Gürtelrose, Lyme-Borreliose, FSME, Dermatomykosen, Impetigo contagiosa, Ulcus cruris

Viral und immunologisch

HIV, Herpes simplex, Pfeiffersches Drüsenfieber, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken

Urogenital und sexuell übertragbar

Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, Feigwarzen

Spezifische Organinfektionen

Endokarditis, Enzephalitis, Meningitis, Konjunktivitis, Toxoplasmose, Tetanus

Einige systemische Erkrankungen wie der systemische Lupus erythematodes (SLE) weisen entzündliche Prozesse auf, sind jedoch primär als Autoimmunerkrankungen und nicht als klassische Infektionskrankheiten zu klassifizieren. Die diagnostische Abgrenzung ist für die Therapiewahl (z. B. Immunsuppressiva vs. Antibiotika) zwingend erforderlich.
Differenzialdiagnostik

Präventionsanspruch in der Pflege

Aufgrund hoher Infektionsrisiken haben Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1 einen gesetzlichen Anspruch auf Erstattung von Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung. Die monatliche Pauschale beträgt 42,00 EUR.

Kostenfrei · Pflegegrad 1–5

Pflegehilfsmittel beantragen

Globale Inzidenzen und klinische Leitsymptome

Die globale Prävalenz zeigt signifikante Unterschiede (Beispiele):

Malaria

Fieber, ausgeprägte Kopf- und Gliederschmerzen

Tuberkulose

Husten, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit

Mumps / Masern

Parotisschwellung (Mumps), Exanthem und Fieber (Masern)

Pertussis / Diphtherie

Paroxysmale Hustenanfälle, Heiserkeit, Halsschwellung

Cholera / Tetanus

Profuse Diarrhö (Cholera), tonische Muskelkrämpfe (Tetanus)

Bakteriologische Pathogenese

Bakterielle Erreger verursachen schwerwiegende Verläufe. Häufig identifiziert: Staphylokokken (u. a. Sepsis) und Salmonellen (Salmonellose).

Weitere Manifestationen: • Urogenitalinfektionen: häufigste Infektionsursache bei Frauen. • Scharlach: hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. • Pneumonie: bakterielle und virale Erreger können koexistieren.

Infektiologie im Kindesalter

Kinder sind durch orofazialen Kontakt und noch nicht voll etablierte Hygienepraktiken hochexponiert. In Kitas begünstigen Tröpfchen- und Schmierinfektionen sowie kontaminierte Objekte eine schnelle Transmission.

Bei ungeimpften Kindern ist die Inzidenz klassischer Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Varizellen erhöht.

Hinweis für Erziehungsberechtigte

Bei Ausbruchsmeldungen in Gemeinschaftseinrichtungen ist engmaschige Beobachtung indiziert; bei spezifischen Symptomen zeitnah pädiatrisch vorstellen.

Gesetzliche Meldepflicht gemäß IfSG

Bei vielen Pathogenen sind Verdacht, manifeste Erkrankung und Todesfälle namentlich zu melden – zur frühzeitigen Intervention bei Ausbrüchen.

Auszug meldepflichtiger Erkrankungen (IfSG): Botulismus, Cholera, COVID-19, Diphtherie, Virushepatitis (akut), HUS (enteropathisch), hämorrhagisches Fieber, Keuchhusten, Masern/Mumps, Meningokokken-Sepsis, Milzbrand, Pest, Poliomyelitis, Röteln inkl. Embryopathie, Tollwut, Typhus/Paratyphus, Windpocken, zoonotische Influenza.

Klinische Behandlungsstrategien

Die Therapie erfolgt ätiologiespezifisch: Bakterien primär mit Antibiotika, Viren mit Virostatika zur Replikationshemmung, Mykosen mit Antimykotika – immer unter Berücksichtigung von Immunstatus und Erregertyp.

Relevante Pflegehilfsmittel zur Infektionsprävention

Pflegehilfsmittel dienen der Barrieresicherung und dem Abbrechen von Infektionsketten.

1. Desinfektionsmittel (Haut/Fläche)

Reduktion der Keimlast auf Händen und patientennahen Oberflächen; zentral zur Vermeidung nosomialer und häuslicher Infektionen.

2. Orofasziale Schutzmasken

Mechanische Barriere gegen Tröpfcheninfektionen; Schutz von Personal und Umfeld.

3. Betthygiene und Schutzeinlagen

Flüssigkeitsdichte Einlagen verringern die Kontamination der Matratze und erleichtern die Keimkontrolle.

4. Schutzhandschuhe (Einmalgebrauch)

Barriere gegen direkten Kontakt; nach Patientenkontakt entsorgen, um Kreuzkontamination zu vermeiden.

Finanzierung und Bezug

Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad (1–5), die häuslich gepflegt werden, haben gemäß § 40 Abs. 2 SGB XI Anspruch auf zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel.

Die Pflegekasse übernimmt pauschal bis zu 42,00 EUR pro Monat.

Kostenfrei · Pflegegrad 1–5

Versorgungspaket online beantragen